Während meiner Recherchen bin ich auf etwas unglaubliches gestoßen. Das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein" könnte demnach seinen Ursprung in Frielendorf-Verna haben. Deutschlandweit gibt es nur einen Ort mit diesem Namen. Hermann von Pfister schrieb in seinen gesammelten Sagen 1885 folgendes nieder:
"Vorzeiten lebte zu Verna ein Weib, der sieben liebliche Kinder blüheten. Auch sie hatte Erfahrungen gemacht über gefährliche Nachstellungen der Werwölfe. Darum ließ sie die Kinder nicht gerne alleine, da sonst niemand in ihrem einsamen Häuschen wohnte. Aber sie wies das Älteste an, die Türe zu verschließen und nur die Mutter einzulassen. Eines Abendes, da wieder alleine in ihrer Stube die Kinder beisammen sitzen, wird ans Haus geklopft. Sie öffnen ein Fenster, gucken hinaus, erblicken aber niemanden. Da es erneut klopfte, sagte das Älteste, es dürfe niemanden einlassen, müsse auch erst die Hand dessen sehen, der ins Haus begehre. Es war aber ein Werwolf draußen , der über die Kinder, ehe die Mutter wieder käme, über die Kinder her fallen wolle.
Der Werwolf steckte auch unter der Türe seine dunkle Pfote herein. Da sprachen die Kinder: nein, das ist keine Hand, eine Hand ist ja weiß. Da lief der Werwolf in eine Mühle, und wälzte sich im Mehle hin und her; dann kam er zurück, klopfte wieder, und zeigte nun seine weiße Pfote. Als aber die Türe offen war, verschlang der Werwolf gleich sechs Kinder, und eines nur konnte sich noch retten. Jetzt kam die Mutter heim. Der Werwolf aber war vom Fraße ermattet am Orte eingeschlafen. Da nun die Mutter die Erzählung vom siebenten Kinde gehört hatte, schnitt sie dem Unholde den Bauch auf, und fand die in gieriger Hast verschlungenen Kinder noch alle unversehrt am Leben. Offenbar erscheint hierin die ältere Fassung eines sonst weit verbreiteten Märchens. Vielleicht war auch Rötkappchens Begleiter ursprünglich als Werwolf gemeint?"
Das Dorf Verna
Verna ist der älteste der Frielendorfer Ortsteile. Die Erwähnung „Firne" ist nachzulesen im Brevarium Sancti Lulli (Güterverzeichnis der Abtei Hersfeld). Sie wird in die Zeit 775-786 datiert. Der älteste Bereich des Ortes ist wahrscheinlich der rund ummauerte Hof der Kirche mit den ihn umgebenden alten Höfen und Wirtschaftsgebäuden. Der Übergang zum Nachbarort Allendorf ist durch viele Neubauten mittlerweile fast fließend.
Umnutzung statt Abriss: das untere Bild zeigt die alte Hofreite in der Ortsmitte, die zur Festscheune umgebaut wurde. Auch ein Backhaus gehört zum neu gestalteten Ortszentrum.