1. Kassel: Der schwarze Ritter

2. Reinhardswald: Böses Spiel

3. Bad Hersfeld: Der letzte Riesin

4. Waldeck: tödliche Flut

5. Nieste: Niester Riesen

6. Eschwege: Wichtel als Schuster

7. Gudensberg: Kegeln in der Anderswelt

8. Willingshausen: De Hitzig

9. Spangenberg: harte Zeiten 

10. Schönberg: Zu Tode erschrocken

1. Kassel: der schwarze ritter

Der Schwarze Ritter von Kassel - eine Legende, die seit Jahrhunderten erzählt wird. Alle 17 Jahre soll er aus seiner Gruft steigen und durch den Bergpark streifen. Doch woher kommt diese Geschichte?

Es gibt ein historisches Vorbild: das Begräbnis von Kurfürst Wilhelm I. im Februar 1821. Der Kurfürst hatte einen letzten Wunsch: ein in schwarz gekleideter Ritter sollte den Trauerzug anführen und für den Verstorbenen Einlass in die Unterwelt erbitten. Doch niemand wollte die Aufgabe übernehmen, da es hieß, dass derjenige, der die schwarze Rüstung anlegte, nicht mehr lange zu leben hätte.

Christian von Eschwege, ein junger Mann aus dem Gefolge des Kurfürsten, übernahm die Aufgabe dennoch. Dreimal ritt er am Trauerzug vorbei bis zur Kapelle der Löwenburg. Doch nur wenige Tage später wurde er ernsthaft krank und starb bald darauf.

War es der Fluch des Schwarzen Ritters? Wahrscheinlich nicht. Christian von Eschwege starb wahrscheinlich an einer Lungenentzündung, die er sich durch die körperliche Anstrengung beim Reiten unter der Rüstung und eine anschließende Erkältung zugezogen hatte.

Heute kann man den Grabstein von Christian von Eschwege im Museum für Sepulkralkultur besichtigen, und die Rüstung ist in der Löwenburg ausgestellt. Die Legende des Schwarzen Ritters lebt jedoch weiter.

2. Reinhardswald - Böses spiel 

Der Reinhardswald - ein Wald mit einer spannenden Geschichte. Vor etwa 800 Jahren war hier einmal Feld, als die Leute aus den Taldörfern auszogen, um im Wald zu roden und zu pflügen.

Graf Reinhard, der Besitzer des Landes, war ein leidenschaftlicher Spieler, der immer verlor. Als er wieder einmal alles verloren hatte, setzte er seine ganze Grafschaft aufs Spiel - und verlor. Doch er gab nicht auf. Listig bat er den Bischof von Paderborn, seinem Gegner, um eine letzte Aussaat und Ernte. Der Bischof stimmte zu.

Aber Graf Reinhard säte keine Getreide, sondern Eicheln und Bucheckern. Er ließ die Dörfer niederbrennen und den Boden pflügen. Im Frühjahr wuchsen junge Bäume, und der Wald grünte. Als der Bischof im Herbst zurückkam, führte Graf Reinhard ihn in die Flur und sagte: "Meine Ernte ist noch nicht so weit, Ihr müsst Euch noch gedulden."

Der Bischof soll darüber gestorben sein, denn der Wald wuchs und wuchs. Heute rauschen noch immer die Eichen und Buchen im Reinhardswald - ein Denkmal für die List des Grafen Reinhard. 

3. Bad Hersfeld: Die letzte Riesin

In Bad Hersfeld, wo die Benediktinermönche über 800 Jahre ihre ehrwürdige Reichsabtei hüteten, soll ein geheimnisvolles Zeugnis von den Riesen überdauert haben. In der Stiftskirche, die im Siebenjährigen Krieg 1761 in Schutt und Asche sank und heute als größte romanische Kirchenruine der Welt gilt, befand sich einst ein rätselhaftes Bild. In einem verborgenen Nebeneingang, durch den die Domschüler einst schritten, entdeckte man noch im 18. Jahrhundert links an der Wand ein Gemälde, das eine majestätische Riesin zeigte, unter deren Füßen ein winziges Kind lag. Sie, die letzte ihrer Art, soll mit einem Mann aus dem zierlichen Menschengeschlecht gelebt und ein Kind geboren haben, das in ihrer Gegenwart wie ein Zwerg erschien - ein Kind, das sie mit einem Fußtritt zertrat, so sagt es die Legende.

4. Waldeck: tödliche flut

Die Stollmühle am Fuße des Waldecker Schloßberges - ein Ort mit einer spannenden Geschichte. Sie existierte 150 Jahre. Zwei verurteilte Bergleute bauten 1756 einen 75m-Stollen, um die Mühle mit Wasser zu versorgen. Vor der Flutung des Edertals wurde der Stollen gesprengt und die Mühle abgerissen. Die Sage erzählt:

Einst saßen zwei Verbrecher im Burgverlies des Schlosses, das wegen seiner dunklen Vergangenheit "Hexenspund" genannt wird. Sie warteten auf die Vollstreckung ihrer Strafe, als ihnen plötzlich ein Angebot gemacht wurde: Leben und Freiheit, wenn sie es schafften, die Eder durch den Basaltrücken zu leiten.

Trotz der scheinbar unmöglichen Aufgabe machten sich die beiden an die Arbeit. Nach vielen Anstrengungen gelang es ihnen schließlich, den Tunnel zu graben. Doch der Triumph war kurz: Als die Eder zum ersten Mal durch den Stollen brach, wurde einer der beiden von den Wellen mitgerissen und kam ums Leben. Nur einer konnte sich des Lohnes freuen.

Die Legende sagt, dass der Überlebende die Mühle baute und dort sein Leben lang wohnte.

5. Niester Riesen

Im finsteren nordhessischen Kaufunger Wald, wo die Schatten der Bäume wie Geister tanzen, standen einst zwei Burgen: Sichelnstein und Sensenstein. Otto der Quade, "der Böse", ließ Sichelnstein 1372 neu aufbauen, um ins Hessenland einzufallen und Angst und Schrecken zu verbreiten. Otto rief die stärksten Riesen des Landes um Hilfe, Sensenstein zu zerstören. Doch ein Waldgeist, der die Burg und ihre Bewohner schützte, verwandelte sie in knorrige, tote Bäume, die wie Skelette in den Himmel ragen.Die Mammutbäume am Thöneberg, stehen noch heute wie Wächter der Nacht, bereit, jeden zu packen, der sich zu nah an die Ruinen von Sensenstein wagt...
Die Bewohner von Nieste haben ihrem Wahrzeichen, den Riesen, ein Denkmal gebaut. Über ihm sieht man die Polarlichter tanzen.

6. Eschwege - Wichtel als Schuster 

Die Wichtelmännchen von Eschwege - eine Geschichte von Dankbarkeit und Stolz. Schuster Jobst saß eines Abends betrübt in seiner Werkstatt, als eine Gruppe Wichtelmännchen erschien und ihm half, schöne Schuhe zu machen. Sie arbeiteten Nacht für Nacht, und Jobst wurde reich und berühmt.

Die Leute kamen von überall, um bei ihm zu kaufen, und Freude und Wohlstand kehrten in sein Haus ein. Jobst war dankbar für die Hilfe der kleinen Helfer und wollte ihnen eine Freude machen. Er ließ schöne Kleider für sie bereiten und legte sie ihnen hin.

Die Wichtelmännchen freuten sich über die neuen Kleider und schmückten sich damit. Doch plötzlich wurden sie stolz und sprachen unter sich: "Bin ich ein solcher Knapp und sollte Schuh lapp?" - und weg waren sie. Sie verschwanden für immer, und Jobst blieb mit seiner Dankbarkeit und der Erinnerung an die kleinen Helfer zurück.

7. Gudensberg: Kegeln in der Anderswelt

Um kaum einen Ort in der Region ranken sich so viele Sagen, wie um den Odenberg nördlich von Gudensberg. Der germanische Gott Odin soll in dem Berg wohnen. Immer wieder berichteten in alter Zeit Menschen von seltsamen Vorkommnissen. Ein Schmied etwa suchte einst in den Hecken des Berges nach einem Weißdorn für seinen Hammerstiel. Da entdeckte er plötzlich in dem Steingefälle ein Loch, das er vorher noch nie gesehen hatte. Er trat hinein und stand in einer neuen Wunderwelt. Starke Männer kegelten da mit eisernen Kugeln. Sie forderten den Schmied auf, mitzuspielen, aber die Eisenkugeln waren seinen Händen zu schwer. Er dürfe sich aber eine Kugel mitnehmen. Als er sie nun später verschmieden wollte, zersprang sie auf dem Ambos in Stücke und jedes Stück war eitel Gold. Die Öffnung des Berges aber fand er nie wieder.

8. Willingshausen: de hitzig schmeißt dos dippe nob 

Ein Schneider in Willingshausen wollte sein Dach neu decken lassen und bestellte die Dachdecker und den Gastwirt Diehl, der auch Maurer war. Weil der Diehl aber ein aufgeregter, ungeduldiger Geist war, hatten ihm die Willingshäuser den Spitznamen „,Hitzig" gegeben. Der Schneider sagte zu den Arbeitern: „Da oben auf dem Dachträger steht ein kleiner Topf. Den lasst mir stehen, sonst passiert was. Da drin soll was verbannt sein!" Der Gastwirt Hitzig aber dachte sich: "Woss salls, das Dippe schmeiß ich nobb!" - und hat den Topf auf die Straße geworfen. Als nun der Diehl zum Frühstück heimgehen will, da fliegt ein Mensch in Rabengestalt hinter ihm her bis zu seinem Haus, wo das Wesen in den Schornstein fliegt. Seit dieser Zeit hat es in dem Gasthaus vom Hitzig gespukt. Eine helle Flamme flackerte aus dem Schornstein, die alle Willingshäuser gesehen haben. Gäste sahen schwarze Gestalten im Tanz- und Konferenzsaal. So ist das jahrelang gegangen. Man glaubte, dass der Hitzig mit einer dunklen Macht in Verbindung stand. Noch bis nach dem 1. Weltkrieg hat die kleine Flamme im Schornstein gespukt. Aber dann kam ein neuer Besitzer, der den Schornstein verändern ließ und danach hat man nichts mehr gesehen.

9. Spangenberg: Harte Zeiten

Auf dem Schloss Spangenberg wohnte einst ein reicher mächtiger Herr, der ging viel auf die Jagd. Wenn er nicht anwesend war, aber suchte ein verliebter Edelknecht seine junge und schöne Hausfrau zur Untreue auf. Als es der Burgherr durch einen Zufall entdeckte, ließ er den Burschen in den Kerker werfen. Anschließend ließ er ihn nackt ausziehen, mit Honig bestreichen und an der Turmspitze in einem Käfig aushängen. Da kam eine ungezählte Menge von geflügelten Ameisen und setzte sich an ihn, so dass er am ganzen Leibe wie schwarz gemalt war, und er wurde von dem Kitzeln und Stechen, dazu von Sonnenbrand und Durst zu Tode gepeinigt. Den Drahtkäfig hat man vor 100 Jahren noch auf dem Schlosse gesehen.

10. Kapelle schönberg: zu Tode erschrocken

Als Wahrzeichen der Schwalm gilt die in Schönberg um 1030 erstmals erwähnte Kapelle. Gefundene Reliquienknochen lassen nahelegen, dass dort schon vor der Christianisierung eine heidnische Kultstätte bestand. So ist es nicht verwunderlich, dass man sich erzählte, auch Wesen aus dem Jenseits stünden mit dem Kraftort in Verbindung. In Form einer Mutprobe wettete ein Bursche, er würde um Mitternacht zur Kapelle gehen, um ein Gesangbuch zu holen. Furchtlos stieg er im Kerzenschein die dunklen Stufen zum Kirchlein hinauf und fand auch bald das Buch. Als er aber gehen wollte, verfing sich seine Kleidung an einem Nagel. Er glaubte, ein Geist halte ihn fest. Der ausgestandene Schrecken brachte ihm schließlich den Tod.


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