Die Stadt Klatovy in Tschechien zählt heute knapp 22.000 Einwohner. Gegründet wurde sie im 13. Jahrhundert an einer wichtigen Handelsroute von Prag nach Bayern. Später gewann die Stadt auch Bedeutung als wichtiges Bildungszentrum, besonders dank den Jesuitenbrüdern, die im 17. Jahrhundert nach Klatovy kamen. Das untere Bild zeigt das Rathaus, den Schwarzen Turm und die Barockkirche.
Versteckt im Keller der Barockkirche
Die weiße Barockkirche ist ein echter Blickfang im Stadtring. Verborgen im Keller befindet sich dort allerdings erst die eigentliche Sehenswürdigkeit. Die geräumigen Katakomben dienten rund 100 Jahre als Begräbnisstätte für Jesuitische Ordensbrüder und ihre Wohltäter. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden in diesen Krypten etwa 200 Menschen begraben, deren Leichname hier durch das Mikroklima auf natürliche Weise mumifiziert wurden. Man könnte sagen, dass die Leichname ausgetrocknet sind. Menschen haben nicht in diesen Prozess eingegriffen, wie etwa bei der Konservierung der Mumien in Ägypten.
Die Leichen wurden damals in der Krypta in Eichensärge auf Holzspäne gelegt, umgeben von Hopfendolden. Dank eines durchdachten Belüftungssystems, das aus horizontalen und vertikalen Luftschächten und Kanälen bestand, blieben die Lufttemperatur und die Feuchtigkeit im Raum gleich. Dieses einzigartige Belüftungssystem wurde allerdings durch einen Umbau im 20. Jahrhundert beschädigt. Die meisten Mumien zerfielen in der Folge, und die Leichen mussten auf einem naheliegenden Friedhof begraben werden. Dennoch sind 38 von ihnen immer noch gut erhalten.
Was können Mumien über das Leben, Krankheiten und den Tod
des Menschen sagen?
Bei der natürlichen Mumifizierung bleibt die Körperform durch den Flüssigkeits- und Salzverlust erhalten, die Haut ist jedoch meistens braun (Pergamenthaut). Innere Organe trocknen nicht nur aus, sondern (da die Mumifizierung in natürlicher Umgebung erfolgt) werden meistens von Insektenlarven völlig zerlegt.
Die Befunde beschränken sich auf pathologische Verhärtungen z.B Lymphknoten in der Lunge. Wird Obduktion einer natürlichen Mumie vorgenommen, können meistens nur verletzungsbedingte Veränderungen, vor allem am Skelett, gefunden werden: also dieselben Veränderungen, die bei Skelettbefunden vorkommen.
Agnes Kunhuta Prichovská von Prichovice
(*10. 10. 1678. 66 Jahre alt)
Die Mumie war die erste Klattauer Mumie, die durch Computertomografie untersucht wurde. Man versuchte auch, die äußere physische Form zu rekonstruieren (linkes Bild unten). Zu den Krankheiten der "Frau Anezka" gehört vor allem die Verkalkung des Brustkorbes, vielleicht nach einer Tuberkulose. Wahrscheinlich entzündliche Veränderungen, deren Ursache unklar ist, befinden sich auch am linken Handgelenk, auch hier kann es sich um eine Tuberkulose gehandelt haben, aber auch eine rheumatoide Arthritis kann nicht ausgeschlossen werden.
Natürlicher Prozess
Einige Menschen hörten etwas über Mumien in Ägypten, einige sahen mumifizierte Körper in Kirchenkrypten, nur wenige sind sich jedoch dessen bewusst, dass die Mumifizierung auf mehrere Weisen verlaufen kann. Für die Klattauer Mumien Ist die natürliche Mumifizierung typisch. Bel der natürlichen Mumifizierung wird die Haut des Leichnams bei trockener Umgebung mit Luftzug ausgetrocknet. Zuerst trocknen die Haut und Unterhaut, dann Innere Organe aus. Der Körper verliert Flüssigkeiten und Salze, unter optimalen Umgebungsbedingungen ist die Mumifizierung im Durchschnitt nach drei Monaten beendet. Das Gewicht eines mumifizierten Erwachsenen beträgt etwa 10 kg.
memento mori
….heißt: Denke daran, dass du sterben wirst! Wir alle wissen, dass wir eines Tages sterben, dass wir diese Welt verlassen. Wenn wir hier die Menschen von damals sehen und in ihre Gesichter schauen, blicken wir gleichzeitig in die Welt, die sie geschaffen haben.
Es hat also Sinn, die begrenzte Zeit, die man hat, gut zu leben, sich das Leben nicht dadurch zu verkomplizieren, dass man schlechte Sachen tut. Man sollte richtig leben, sich über das Leben freuen und die Welt um sich so gestalten, dass sie gut ist.