Heute ist es still. Kalt. Der Geruch von Stein und Staub. Wenn du mit der Taschenlampe über die Schädel fährst, schauen dich leere Augenhöhlen an. Keine Namen mehr. Keine Geschichten. Nur noch Kalk und Zeit. Oppenheim am Rhein ist ein einziger großer Dark Place.

Fachwerk, Weinberge: bei Sonnenschein ist Oppenheim südöstlich von Mainz eine typische rheinhessische Kleinstadt.

Bei einer Vielzahl von skurrilen Kröten-Skulpturen überall in der Stadt wird es erstmals kurios. Welche Stadt setzt sich eine Kröte als Maskottchen? Der Name des "Oppenheimer Krötenbrunnen" kommt wohl von einem alten Wassersystem. Der genaue Ursprung ist nicht geklärt.

Gotik, die zu hoch in den Himmel greift. Als würde sie etwas vor ihm verstecken wollen. Denn Oppenheim hat eine düstere Seite...

Unter ihr liegen 800 Jahre Geschichte, die nicht
ans Licht wollen. 40 Kilometer unter deinen Füßen. Kein Handynetz funktioniert hier unten. Nur das Echo. Kommst du mit unter die Erde?

Oppenheim steht auf Sandstein. Seit dem Mittelalter wurde der Stein unter der Stadt abgebaut, um Häuser zu bauen. Oben sieht's aus wie normale Straße, unten ist's hohl. Deshalb gibt's immer wieder Bodeneinbrüche, wie in den 1980ern, als ein Polizeiauto in einem alten Einbruch verschluckt wurde. Der Untergrund unter Oppenheim ist voller Hohlräume, Gänge und alter Keller.

Dinge, die du nicht sehen solltest: Die Leute hier nennen es „Das Loch". Die offiziellen Touren zeigen dir 5% vom Labyrinth. Die anderen 95% sind verschüttet, verboten, vergessen... oder... noch bewohnt?!😨

Keiner weiß genau, warum das Labyrinth
entstanden ist. Es wird vermutet, dass es
Kellerräume waren, die schließlich miteinander
verbunden wurden. Sämtliche Dokumente oder
Kartierungen wurden vernichtet. Gänge aus
dem 13. Jahrhundert, die nie ans Licht kamen.
Manche führen ins Nichts. Andere enden vor
Türen, die 200 Jahre nicht geöffnet wurden.

Ein Guide hat mal erzählt, dass sein Licht ausgegangen ist und er 20 Minuten lang Schritte gehört hat. Er war allein.

Im 30-jährigen Krieg haben sich hier ganze
Familien versteckt. Manche sind nie wieder
rausgekommen. Die Menschen, vorallem Frauen und Kinder, versteckten sich hier während der Kriege in absoluter Dunkelheit. Wichtig war: das Labyrinth besser zu kennen als der Feind. Hörte man Schritte, die man nicht zuordnen konnte, brauchte man ein gutes Versteck.

Die Frauen saßen mit ihren Kindern während der vielen Belagerungen der Stadt im Labyrinth fest: an der Oberfläche wartete der Tod und/oder gewalttätige se*uelle Übergriffe. Das war damals an der Tagesordnung, so der Guide. 

1349 wütete die Pest auch in Oppenheim. Der
Friedhof war überfüllt, also hat man die Toten
nachts heimlich in die alten Sandsteinkeller
geschafft und dort eingemauert. Bei späteren
Führungen hat man in einigen Seitengängen
tatsächlich Skelette gefunden, die nicht
ordentlich umgebettet waren.

Die Guides erzählen von plötzlicher Kälte,
Zugluft aus zugemauerten Gängen und dass
Funkgeräte da unten manchmal ausfallen.

Würdest du hier eine Stunde ohne Licht aushalten?

2.500 Totenköpfe

Aber das ist nicht alles: Neben der Kirche liegt eine Kapelle, die niemand freiwillig als Lagerraum wählen würde. Hier lagern 2.500 Schädel, fein säuberlich aufgeschichtet.. Der düstere Himmel passt zum Gruselort. Oppenheim kann nicht nur Wein und Sonnenschein.

Das Beinhaus der Michaelskapelle ist eines der größten und besterhaltenen in Deutschland. Zwischen 1400 und 1750 wurden hier die
Gebeine von bis zu 20.000 Oppenheimer
Bürgern gelagert. Grund war Platzmangel auf
dem Friedhof nach 10-15 Jahren Ruhezeit
wurden die Knochen ausgegraben und im
Gewölbe unter der Kapelle gestapelt.

Kein Licht. Keine Namen. Nur Kieferknochen, die dich anstarren, wenn du mit der Taschenlampe zu nah kommst

Kleines kurioses Detail: Mitten im Knochenstapel liegt ein komplett - vergoldeter Schädel. Der ist echt und wurde nach einer Fernsehaufnahme dort vergessen.

Nebenan ist das sogenannte Lapidarium, die Steinhalle mit kuriosen Figuren

Traust du dich nach Oppenheim?

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