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Trink aus Götterquellen in Geismar. Lauf durchs echte Mittelalter in Züschen. Chille im Naturbad unter der Burg in Wallenstein. Werde zum Künstler in Willingshausen. Steinzeitgräber, Burgruinen, Fachwerk, Mühlenromantik, Malerkolonie. Alles auf ein paar Kilometern. Alles echt. Kein Museum. Das ist die Schwalm-Eder-Top10-Liste. Wann fährst du los?
Mein einzigartiges Projekt - alle 235 Orte im Kreis selbst besucht
Ich habe mich auf die Reise gemacht und jeden Ort selbst erkundet. Jetzt präsentiere ich meine persönliche Top 10 der Dörfer unter 1000 Einwohnern im Schwalm-Eder-Kreis - bewertet nach verschiedenen Gesichtspunkten und basierend auf meinen eigenen Erfahrungen.
Meine Liste: Einzigartig und persönlich: Diese Liste ist einzigartig, da ich jeden Ort selbst besucht habe. Sie ist nicht von einem Magazin oder einer Organisation erstellt worden, sondern von mir, einem, der die Region liebt.
Platz 10:
Geismar - historisch bedeutsam
Geismar ist Fritzlars ältester Stadtteil und einer der geschichtsträchtigsten Orte im Schwalm-Eder-Kreis. Hier schlug 723 die Geburtsstunde des christlichen Deutschlands. Und hier lebten schon 200 Jahre vor Christus die Chatten.
Hier fiel die Donareiche
Der Legende nach fällte Bonifatius im Jahr 723 bei Geismar die Donareiche, das Heiligtum der Chatten. Aus ihrem Holz ließ er die erste Kapelle bauen, den Vorgänger des heutigen Fritzlarer Doms. Ein Gedenkstein und eine Skulptur erinnert heute an den Ort, der die Christianisierung Hessens einleitete.
Das heutige Geismar ist ein idyllischer Fachwerkort mit verwinkelten Gassen. Die Kirche mit ihrem gedrungenen Turm stammt im Kern aus dem 12. Jahrhundert. Sie wird noch umgeben von den Außenmauern der früheren Wehrkirche
Wüstung und Freilichtmuseum
In den 1970er Jahren legte das Landesamt für Denkmalpflege Hessen etwa 550 m südwestlich des heutigen Dorfkerns eine neun Hektar große Siedlung frei: die Wüstung Geismar. Die Ausgrabung bewies: Hier lebten Menschen schon um 200 v. Chr. bis zur ersten Jahrtausendwende.
Seit 1998 kannst du dir live anschauen, wie das Volk damals lebte. Nahe dem Westfuß des Eckerich wurde das Freilichtmuseum „Alt-Geismar“ fertiggestellt. Dort stehen Nachbauten der Chattendorfhäuser auf Grundlage der Grabungsbefunde. Flechtwandhäuser, Grubenhäuser, Speicher. Du läufst durch ein Dorf, wie es vor 2.000 Jahren aussah. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Hier finden auch jährlich das örtliche Weinfest und der Weihnachtsmarkt statt.
Die Donarquelle: Ein echter Sauerbrunnen
Nur einen Steinwurf entfernt liegt die Donarquelle, wegen des eisenhaltigen und säuerlichen Geschmacks ihres Wassers auch „Sauerbrunnen“ genannt. Die Mineralquelle sprudelt auf 191 m Höhe im gewundenen Tal an der Landesstraße Richtung Züschen. Ob Bonifatius hier getrunken hat? Wer weiß. Aber der Name „Donar“ verrät: Auch diese Quelle war schon in vorchristlicher Zeit bedeutend.
Warum du nach Geismar musst
Weil du hier 2.200 Jahre Geschichte auf 1 km erlebst. Chattendorf aus der Eisenzeit, Donareiche von Bonifatius, Mineralquelle mit Götternamen, mittelalterliche Kirche, Fachwerk. Du trinkst aus dem Sauerbrunnen, läufst durch ein nachgebautes Germanendorf und stehst an dem Ort, wo Deutschland christlich wurde. Wo sonst geht das? Dazu ist Fritzlars Dom nur 2 km entfernt. Mehr Geschichts-Verdichtung geht kaum.
Mein Tipp
Mach die Zeitreise in vier Stationen: 1. Freilichtmuseum Alt-Geismar für die Chatten. 2. Donarquelle für einen Schluck Eisenwasser. Schmeckt gewöhnungsbedürftig, gehört aber dazu. 3. Gedenkstein der Donareiche für Bonifatius. 4. Dorfbrunnen und Kirche im heutigen Geismar für das Fachwerk-Finale. Die Stationen liegen alle im Umkreis von 1,5 km. Nimm dir 2-3 Stunden Zeit. Und probier wirklich das Wasser vom Sauerbrunnen. Dann kannst du sagen: Ich hab aus Donars Quelle getrunken. Erst 2016 wurde die Brunnenalnage nach achtjähriger Renovierungszeit neu eröffnet
Platz 9:
Kirchberg - idyllisch und lebendig
Kirchberg ist einer der ältesten Ortsteile von Niedenstein und macht seinem Namen alle Ehre. Das Dorf liegt auf einem Hügel, weithin sichtbar mit der markanten Wehrkirche im Zentrum. Von hier oben hast du einen der schönsten Blicke ins Chattengau und zum Naturpark Habichtswald.
Bergtor und Wehrkirche
Der Mittelpunkt von Kirchberg ist die Wehrkirche. Die dicken Mauern und die erhöhte Lage zeigen: Hier wurde früher nicht nur gebetet, sondern auch Schutz gesucht. Rund um die Kirche gruppieren sich alte Fachwerkhäuser und Gehöfte, wie auch das Wahrzeichen, das sogenannte Bergtor. An dem schönen Fachwerktor eines ehemaligen Herrenhauses unterhält der Geschichts- und Heimatverein Kirchberg ein kleines Museum. Zu sehen sind Ausstellungsstücke aus Haus und Werkstatt, Stall und Scheune, Feld und Garten, dazu Schrift- und Bilddokumente. Kopfsteinpflaster und schmale Gassen im Ort geben dir direkt das Gefühl, durch ein Stück Nordhessen aus dem Bilderbuch zu laufen.
Warum du nach Kirchberg musst
Weil du hier Nordhessen von seiner ruhigsten Seite erlebst. Eine 800 Jahre alte Wehrkirche auf dem Hügel, Fachwerk, Weitblick bis nach Kassel und echtes Dorfleben mit Backhausfest. Kirchberg ist kein Lautsprecher-Dorf. Es ist ein Ort zum Durchatmen, Schauen und Ankommen.
Park unterhalb der Kirche und lauf den kurzen, steilen Weg hoch zum Kirchhof. Nutze auch die Nebenpfade zwischen Kirche und Bergtor, die im Sommer beeindruckend bepflanzt sind und erlebnisreichen Ausblick bieten.
Platz 8:
Niederurff - verwinkelte Gassen und aussergewöhnliche Architektur
Eng schlängelt sich die verwinkelte Hauptstraße durch den idyllischen von Kopfsteinpflastern und schmucken Fachwerkhäusern gesäumten Ort. Brücken führen über den Fluss Urff und den alten Mühlgraben. Hier und da hört man es plätschern. Im Sommer blühen Blumen zwischen Skulpturen und Statuen.
Der Ratskeller: Vom Kerker zur Gaststube
Allem voran ist der Ratskeller zu erwähnen. Der aktuelle Besitzer ist aus den Niederlanden nach Niederurff gezogen - er hat sich sofort in diesen Ort verliebt, sagt er. Der Ratskeller ist eines der ältesten Gebäude der Region, erbaut 1535. Einst war es Amts- und Rathaus der Herren von Urff, aber auch Brauhaus und seit jeher eine Gastwirtschaft. Damals konnte man am Haus noch Schandpfahl und Halseisen sehen. Im Keller befand sich der Kerker.
Burg, Wehrkirche und Marktrecht
Die um 1500 erbaute Wehrkirche wird umzäunt von einer hohen Mauer. Direkt gegenüber befindet sich die Urffsche Burg, noch heute in Besitz der Familie von Urff - allerdings nicht öffentlich zugänglich. Als Teil der alten Burganlage ist noch der „Lange Bau“ (um 1500), die Wehrmauer und der Trockengraben erhalten geblieben. Im Mittelalter hatte der heute zu Bad Zwesten gehörende Ort Marktrecht. Niederurff ist einer der ältesten Ortsteile und wirkt durch die vielen alten Bäume fast wie ein Park.
Warum du nach Niederurff musst
Weil du hier Mittelalter zum Anfassen bekommst, ohne Museumseintritt. Du läufst über Kopfsteinpflaster, hörst die Urff plätschern und stehst vor einem Wirtshaus, in dessen Keller mal ein echter Kerker war. Direkt gegenüber erhebt sich eine Wehrkirche hinter hohen Mauern und eine echte Adelsburg, die seit 500 Jahren derselben Familie gehört. Das ist nicht nachgebaut oder restauriert. Das ist echt. Und durch die vielen alten Bäume wirkt der ganze Ort wie ein verwunschener Park.
Mein Tipp
Stell das Auto am Ortseingang ab und geh zu Fuß durch die Hauptstraße. Achte auf die Brücken über Urff und Mühlgraben, das sind die besten Fotospots. Kehre unbedingt im Ratskeller ein. Am schönsten ist Niederurff im Sommer, wenn zwischen den Skulpturen alles blüht und das Plätschern der Urff zur Sommerhitze gehört. Nimm dir Zeit für die Wehrkirche. Die Mauer außenrum ist beeindruckend massiv.
Platz 7:
Hausen – Ferienparadies mit Steinzeit, Schloss und Kartoffelfest
Hausen bei Oberaula ist so ein Dorf, bei dem man sich fragt: Warum kennt das eigentlich kaum einer? Hier triffst du auf 500.000 Jahre Geschichte, ein düster, doch erhabenes Märchenschloss und ein Dorfleben, das richtig Spaß macht.
Ein Schloss aus dem Märchenbuch
Schon um 1300 stand hier eine Wasserburg der Abtei Fulda. Nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg bauten die Freiherren von Dörnberg 1674 ein Renaissanceschloss auf die alten Mauern. Der Wassergraben ist seit 1797 trocken, die Zugbrücken wichen Steinbrücken. Das Ergebnis: altertümlich, malerisch, manchmal fast düster. Besichtigen kannst du es nicht, es ist in Privatbesitz. Aber allein der Blick von außen lohnt sich. Es sieht wirklich aus, als wäre es einem Märchen entsprungen.
Kirche mit englischem Flair
Die Kirche in Hausen ist ein Unikat in Nordhessen. Architekt Dr. Gustav Schönermark aus Kassel hat sie im Stil einer englischen Dorfkirche gebaut. Dazu beherbergt sie die Familiengruft der Freiherren von Dörnberg. Architektur-Fans kommen hier auf ihre Kosten.
Älter als die Geschichtsbücher
Auch bevor es Burgen und Schlösser gab, kamen schon vor über 500.000 Jahren Menschen nach Hausen. Auf dem „Birket“ zwischen Hausen und Oberaula holten sie sich Quarzit für Werkzeuge. Die Fundstelle gehört laut Fachliteratur zu den wichtigsten in Mitteleuropa. Die Artefakte liegen heute in den Museen Schwalmstadt und Kassel. Das Dorf lebt diese Geschichte. Der Steinzeitverein veranstaltet regelmäßig Mitmachaktionen und Feste. Feuer machen mit Pyrit, Vorträge zu Ötzi, Wanderungen zu historischen Plätzen.
Aktiv und entspannt: Golf, Ferienpark und Vereinsleben
1987 entstand ein 18-Loch Golfplatz, der sich perfekt in die Mittelgebirgslandschaft schmiegt. Auswärtige Spieler loben besonders die Schönheit der Anlage.
Hausen ist außerdem bekannt für seinen Ferienpark. Und für ein Vereinsleben, das den Namen verdient. Heimatverein, Theaterverein, Steinzeitverein. Hier ist immer was los. Highlight im Herbst: das beliebte Kartoffelfest.
Warum du nach Hausen musst
Hausen verbindet Geschichte zum Anfassen mit echter nordhessischer Geselligkeit. Und das alles ohne Touristenmassen.
Kombiniere deinen Besuch mit einer Wanderung zum „Birket“. Dann verstehst du, warum Menschen schon vor einer halben Million Jahren wussten, dass Hausen ein guter Ort ist.
platz 6:
falkenberg - Tradition trifft auf moderne
Mit gerade mal 780 Einwohnern versteckt sich in Falkenberg bei Wabern eine Welt voller Geschichte, Fachwerk und märchenhafter Landschaft. Die steilen und verwinkelten Gassen sind wie ein Traum aus einer anderen Zeit, mit alten Fachwerkhäusern, die sich an den Hügeln emporziehen.
Die Burgruine auf dem Schlossberg
Falkenberg liegt idyllisch an einem kleinen Basaltkegel, der dicht bewaldet ist und eine versteckte Burgruine beherbergt. Das Dorf schmiegt sich um den Schlossberg herum, mit dem ehemaligen Rittergut und dem "Neuen Schloss" am südöstlichen Ende. Es beherbergt seit über 40 Jahren junge Menschen mit Suchtproblemen.
Das Deutsche Smartphone aus dem dorf
Bis zum nächsten Altbauviertel einer hippen Großstadt ist es weit. Doch hier in Falkenberg hat sogar ein Start-up seinen Sitz. Die Shift GmbH möchte mit ihrem Shiftphone den Smartphone-Markt umkrempeln. Sie setzen mit dem ersten deutschen Smartphone vorallem auf Nachhaltigkeit und haben schon zehntausende Kunden gewonnen.
Um ihrem Dorf etwas zurückzugeben, planten die beiden Brüder der Shift GmbH ein weiteres Projekt in Falkenberg: Sie haben ein historisches Fachwerkhaus renoviert und dort ein Café und einen Dorfladen eröffnet - den Gänsemarkt.
Warum du nach Falkenberg musst
Weil kaum ein anderes Dorf im Schwalm-Eder-Kreis Vergangenheit und Zukunft so lässig verbindet. Vormittags wanderst du durch steile Fachwerkgassen zur mystisch-versteckten Burgruine. Nachmittags trinkst du im Gänsemarkt einen Kaffee in einem 300 Jahre alten Haus, das zwei Brüder gerettet haben, die nebenbei Deutschlands nachhaltigste Smartphones bauen. Es ist, als würde man in ein Märchen eintauchen - die perfekte Kulisse für eine Reise zwischen Vergangenheit und Moderne. Die sanften Hügel, die Wälder und die Burgen machen Falkenberg zu einem echten Geheimtipp für alle, die Ruhe und Geschichte suchen.
Mein Tipp
Park im unteren Dorfteil und lauf die Gassen zu Fuß hoch Richtung Schlossberg. Unbedingt festes Schuhwerk anziehen. Der finale Weg zur Ruine ist nicht befestigt. Tolle Fotomotive ergeben sich, wenn du dich umdrehst und über die Dächer Richtung Schwalm blickst. Kehre danach auf jeden Fall im Gänsemarkt ein.
platz 5:
wallenstein - Klamm-Abenteuer und Burgromantik
Wallenstein ist der perfekte Ort, wenn du Fachwerk-Charme mit einem Hauch Wildnis verbinden willst. Dieser Ortsteil von Knüllwald liegt idyllisch direkt an der Efze und hat gleich zwei echte Highlights.
Burg Wallenstein: Baden im Schatten des Mittelalters
Südwestlich des Dorfes, in einem kleinen Seitental der Efze, thront die namensgebende Burg Wallenstein. Erbaut im 12. Jahrhundert. Direkt unterhalb der Burg findest du einen Naturcampingplatz mit 150 Stellplätzen, ein Hotel mit Strand- und Naturbad und ein Restaurant mit regionaler Küche. Du kannst also buchstäblich im Schatten der Burg baden, essen und übernachten. Mehr Mittelalter-Feeling geht kaum.
Die Lochbachklamm: Hessens kleine Wildnis
Zwischen Wallenstein und Hülsa wartet der meiner Meinung nach schönste Wanderweg des Landkreises: Die Lochbachklamm. Erst kürzlich wurde sie modernisiert und ist ein echtes Erlebnis.
Stell dir vor: Du wanderst über zahlreiche hölzerne Brücken, während sich tief unter dir der Lochbach durch eine enge Schlucht zwängt. Die roten Buntsandsteinwände sind moosbewachsen, teilweise überhängend und im Sommer angenehm kühl. Das Licht, das durch die Felsspalten fällt, macht den Pfad fast magisch. Kein Wunder, dass viele ihn als schönsten Abschnitt im Knüllgebirge bezeichnen.
Warum du nach Wallenstein musst
Weil du hier vormittags durch eine spektakuläre Klamm wanderst und nachmittags im Naturbad unter einer echten Burg liegst. Wallenstein ist Abenteuer und Entspannung auf engstem Raum. Dazu die Efze direkt vor der Tür und der Knüll als Kulisse.
Mein Tipp
Plane für die Lochbachklamm feste Schuhe ein. Nach Regen sind die Holzbrücken und Steine rutschig. Dafür ist es dann am schönsten, wenn der Bach richtig rauscht. Und kehre danach im Burg-Restaurant ein. Regionale Küche mit Blick auf die Burg ist der perfekte Abschluss. Lust auf einen Tagesausflug mit Klamm, Burg und Badesee? Dann ab nach Wallenstein.
platz 4:
wagenfurth - Atmosphäre wie im Urlaub
Wagenfurth ist der kleinste Ortsteil von Körle und liegt direkt an einer der schönsten Fuldaschleifen. Nur rund 150 Menschen leben hier. Dafür bekommst du uriges Fachwerk, Flussaue und eine Geschichte, die schon im Namen steckt.
Die Furt, die dem Ort den Namen gab
Wagenfurth heißt wörtlich „Furt für Wagen“. Hier war jahrhundertelang eine der wichtigen Querungen durch die Fulda. Bevor es Brücken gab, mussten Fuhrwerke hier durch den Fluss. Der Name ist Programm und bis heute Programm geblieben. Wagenfurth liegt an einer flachen Stelle der Fulda mit weitem Blick über die Wiesen. Später gab es hier eine Gierseilfähre, die Körle mit der anderen Fuldaseite verband. Der alte Fähranleger ist noch zu erahnen.
Fachwerk direkt am Fluss
Als ich das erste mal Wagenfurth besuchte, fühlte ich mich, wie im Urlaub. So eine tolle idyllische Atmosphäre war einzigartig in unserer Heimat. An jenem Sommermorgen ging gerade die Sonne auf. Die ersten Strahlen wärmten von oben, während noch der Nebel im Tal der Fulda lag und die Wiesen feucht waren. Die Sonne färbte die Brücke über die Fulda in ein zartes Gold - die einzige Verbindung zum Dorf.
Der Ort ist so klein, dass er sich fast ausschließlich an der „Unteren Fuldatalstraße“ abspielt. Aber in dieser gibt es viel zu sehen: Vorallem die urigen Fachwerkhöfe mit Efeu und Wein, die sich zur Flussseite, mit Gärten und Wiesen bis ans Ufer hin öffnen, haben es mir angetan. Außerdem farbenfrohe Blumen, verwinkelte Gassen und gemütliche Hofläden, Restaurants und Hotels. Ein Highlight für Pferdeliebhaber ist Jessies Ranch und Motel - ein Muss für alle, die die Natur und die Tiere lieben! Das absolute Highlight und Wahrzeichen des Dorfs ist jedoch die Kirche. Sie ist die älteste Fachwerkkirche im Landkreis und für mich die schönste Kirche in Nordhessen.
Fulda, Aue und Radweg R1
Die Lage ist Wagenfurths größtes Kapital. Der Fuldaradweg R1 führt direkt durch den Ort. Von hier hast du freie Fahrt Richtung Kassel oder Melsungen. Am Fluss gibt es Kanuanlegestelle, Liegewiese und einen Zeltplatz. Die Fuldaauen sind teilweise auch Naturschutzgebiet. Im Frühjahr und Herbst rasten hier Zugvögel. Im Sommer grasen Kühe auf den Wiesen. Wagenfurth ist Flussleben pur - aber ohne Lärm und Trubel.
Warum du nach Wagenfurth musst
Weil du hier siehst, wie Nordhessen vor 200 Jahren aussah. Ein Dorf, das nur aus Fluss, Furt und Fachwerk besteht. Keine Hauptstraße, kein Durchgangsverkehr. Du stehst am Ufer, wo früher die Fuhrwerke durch die Fulda rumpelten. Du schaust auf Höfe, die seit Generationen hier stehen. Wagenfurth ist Reduktion auf das Wesentliche: Wasser, Weite, Ruhe. Perfekt, wenn dir die großen Fachwerkstädte zu voll sind.
Mein Tipp
Setz dich auf die Wiese und schau flussaufwärts. Im Spätsommer, wenn die Nebel morgens über den Auen liegen, ist Wagenfurth magisch. Nimm ein Fernglas mit. Mit etwas Glück siehst du Reiher, Störche oder einen Eisvogel. Und wenn du weiter willst: Nach Körle sind es 2 km, nach Melsungen 8 km. Beides Fachwerkstädte zum Kontrastprogramm.
platz 3:
wolfershausen - vielfältig und naturnah
Wolfershausen ist ein Ortsteil von Felsberg und liegt malerisch direkt an einer Eder-Schleife. Das Dorf mit rund 900 Einwohnern verbindet Fachwerk-Idylle, Wasserkraft und jede Menge Entdeckungen in naher Natur.
Ederbrücke und Mühlen-Tradition
Direkt an der Ederbrücke liegt bei einem Wehr die Wolfershäuser Mühle. Schon im Mittelalter wurde hier die Wasserkraft genutzt. Ein echter Blickfang. Das Rauschen der Eder hörst du im ganzen unteren Dorf. Der Ortskern von Wolfershausen ist geprägt von großen hessischen Fachwerkhöfen. Viele stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und zeigen den Wohlstand, den Landwirtschaft und Mühlenbetrieb brachten. Zwischen den Höfen, Scheunen und Gärten schlängeln sich schmale Gassen. Typisch nordhessisch, ruhig und bodenständig. Beeindruckt hat mich der Blick aus dem Dorf hinauf auf einen Hügel, der wirkt als würden dort Zypressen stehen: Ich dachte ich wäre in der Toskana.
Wandern zum Riesenstein
Wolfershausen liegt am Ederradweg, einem der beliebtesten Radfernwege Deutschlands. Wanderer finden rund um den Ort Wege durch die Felsberger Wälder und die Ederauen. Ein Muss: der Riesenstein im Norden der Gemarkung auf dem östlichen Ederufer, ein seit 1986 als Naturdenkmal ausgewiesener Megalith. Er gab Stoff für viele Sagen. Riesen sollen ihn hierher geworfen haben.
Das Pferdegrab am Lotterberg
Zum Ort gehört der Amselhof auf der sogenannten „Amsel“ am Lotterberg gelegen; dort wurde lange die im Jahre 1273 zerstörte Burg Wolfershausen vermutet. Am Lotterberg findet sich auch ein Kuriosum: das Pferdegrab. "Hier ruhen Bella und Rosa, den 13. Februar 1868" steht auf dem Gedenkstein zweier Stuten. Zwei Pferdeköpfe blicken sich über dem Schriftzug auf dem 150 Jahre alten Stein an. Die Geschichte hinter dem Relikt zeugt von Tierliebe und Verantwortungsbewusstsein aus einer längst vergessenen Zeit. Die beiden Pferde, die der Arbeit im Gespann nicht mehr gewachsen waren, sollten auf ihre alten Tage nicht mehr den Besitzer wechseln. Sie wurden an Ort und Stelle begraben.
Warum du nach Wolfershausen musst
Weil du hier Natur und Mystik in perfekter Kombination bekommst. Du stehst auf einer Brücke, hörst das Wehr an der Eder rauschen, siehst die Mühle und wanderst 20 Minuten später zu Riesenstein und Pferdegrab durch den Wald. Wo sonst liegen Mühlenromantik und germanische Sagenwelt so dicht beieinander? Kein Touristenrummel, kein Kitsch. Wolfershausen ist ehrliche nordhessische Idylle mit Mystik-Faktor.
Mein Tipp
Park an der Ederbrücke und starte mit dem Ensemble Mühle + Brücke + Fluss. Das ist das Postkartenmotiv. Am besten Morgens, dann liegen häufig Nebelschleier auf der Eder. Dann schnür die Wanderschuhe: Geh hoch zum Riesenstein und weiter zum Pferdegrab auf dem Lotterberg. Nimm dir Zeit, die Inschrift am Pferdegrab zu lesen. Im Sommer danach Abkühlung an der Kiesbank unterhalb der Brücke. Besser kriegst du Geschichte, Natur und Eder nicht kombiniert.
platz 2:
Willingshausen - die Freiluftgalerie
Die Einbettung in erholsame Natur, der verwinkelte historische Ortskern mit einer der höchsten Fachwerkhäuserdichten Deutschlands und das besondere Licht haben Willingshausen zur ältesten Malerkolonie Europas gemacht. Große Maler wie Carl Bantzer und Wilhelm Thielmann machten Willingshausen, die Schwalm und dessen Tracht in aller Welt bekannt.
Kunst an jeder Ecke
Bis heute steht der Ort mit Malerstübchen, Kunsthalle, regelmäßigen Künstlertreffs, sowie weltweit begehrten Kunststipendien ganz im Zeichen der Kunst. Klingt wie der perfekte Ort, um kreativ zu werden oder einfach nur zu entspannen. 1998 bekam Willingshausen die Silberplakette im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" verliehen und gilt in zahlreichen Quellen als eines der schönsten Dörfer Deutschlands.
Prominente Geschichte
Ein weiteres Highlight: Die Kirche mit barocker Orgel und Altardecke mit Schwälmer Weissstickerei. Einst gehörte sie zum Schloss Willingshausen. Das Schloss Willingshausen gehört der Familie von Schwertzell. Auch Wilhelm Grimm war mit der Familie befreundet. Wilhelmine von Schwertzell sammelte für die Brüder Grimm Märchen aus der Schwalm.
1824 trafen sich im Schloss Willingshausen erstmals der baltische Offizier und Maler Gerhardt von Reutern, der aufgrund einer Kriegsverletzung zur Erholung in Willingshausen weilte und der Kunstprofessor Ludwig Emil Grimm (dem jüngsten Bruder der Brüder Grimm). Das Schloss wurde bald darauf erster Treffpunkt und Gründungsort der Willingshäuser Malerkolonie. Der ersten Maleriolonie Europas.
Von Bantzer bis zur Auktion: Weltbekannte Schwälmer Kunst
Willingshausen ist europa- und sogar weltweit in der Kunstwelt bekannt und zog mittlerweile mehr als 300 Maler an. Carl Bantzer (1857-1941) und viele weitere Künstler haben Willingshausen als Malort berühmt gemacht. Bantzers Werk „Kathche Dörrbecker- Bildnis eines hessischen Bauernmädchens" erzielte 2023 auf einer Berliner Auktion 118.750 Euro. Er malte das Traditionelle im Landleben und brachte eine heile Welt auf die Leinwand - ein Gegenentwurf zur Verstädterung der 1920er.
Seit 2019 findet in europäischen Dimensionen das Malersymposium in Willingshausen statt. Ergebnisse dieser Aktivitäten werden im Malerstübchen und überall im Ort ausgestellt. Der Ort gleicht einem einzigen großen Kunstwerk.
Warum du nach Willingshausen musst
Weil du hier durch ein lebendiges Gemälde läufst. Du stehst an dem Ort, wo die Brüder Grimm Märchen sammelten, wo Kunstprofessoren und Offiziere die erste Malerkolonie Europas gründeten und wo ein Bild von einem Bauernmädchen heute sechsstellig gehandelt wird. Willingshausen ist nicht nur schön. Es hat Kunstgeschichte geschrieben. Und tut es noch.
Mein Tipp
Überall im Ort findet man Staffeleien mit Abbildungen historischer Kunstwerke und Infos zu dessen Malern. Sie führen durch die Kunst- und Kulturroute im Dorf. Im Kulturhaus kann man auch Stifte und Skizzenpapier bekommen, um die Werke an den Originalschauplätzen nachzumalen.
platz 1:
züschen - Mittelalter, Megalithen und mächtige Mauern
Züschen, eine ehemals selbstständige waldeckische Stadt, ist seit 1974 ein Stadtteil von Fritzlar. Der mittelalterliche 900 Einwohner Ort ist vom Tourismus und von der Holzverarbeitungsindustrie geprägt. Sehenswert sind die Garvensburg, die Stadtmauer mit zwei Wachtürmen, das Steinkammergrab und die Ruine der Kreuzkirche. In Züschen und unmittelbarer Umgebung gibt es so viel zu entdecken!
Uralte Spuren
Züschen wird um 850 erstmals urkundlich erwähnt, war aber mit Sicherheit schon weitaus früher besiedelt: Im Jahre 1894 wurde ein Megalith-Steinkammergrab östlich von Züschen entdeckt, das aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammt. Im Grab fand man Felsritzzeichnungen, die die frühe Besiedlung der Gegend belegen. Auch am Riesenstein am Heiligenberg fand man Felsritzzeichnungen. Eine Wanderung zu dem imposanten, 9m hohen, wuchtigen Sandsteinfelsen lohnt. Er befindet sich zwar nicht mehr in der Gemarkung Züschens, aber unmittelbar dahinter. Sowohl vom Riesenstein, als auch vom Steinkammergrab habe ich leider noch kein Foto.
Stadtmauer, Türme und Fachwerk
Züschen ist bekannt für den mittelalterlichen Kern mit Fachwerkhäusern und seine Teile der erhaltenen Stadtmauer mit zwei Türmen, wie hier den Eulenturm. Auf dem obersten Bild sieht man den Grachenturm. Dazu kommen verwinkelte Gassen, viele Brücken und Kopfsteinpflaster. Echter Mittelalter-Vibe ohne Kulisse. Auf Infotafeln wird viel zur Geschichte erklärt.
Bekannt ist Züschen auch für die mächtige Garvensburg aus dem 19. Jh. Leider ist sie in Privatbesitz und das Gelände verschlossen. Fotos kann man daher nur mit Genehmigung machen.
Ruinen, Wüstungen und Weitblick
In einem abgelegenen kleinen Hain bei Züschen steht die aus dem 14. Jh stammende Ruine der Kreuzkirche wie ein Mahnmal der Vergangenheit. Sie und einige wüst verteilte Sandsteine sind die letzten Zeitzeugen des vor Jahrhunderten untergegangenen Dorfes Hertingshausen.
Auch Wanderwege gibt es Rund um Züschen. Empfehlenswert sind die Kölnische Kanzel mit Aussichtspunkt und der Johanniskopf mit Resten des einstigen Dorfes Hayn.
Warum du nach Züschen musst
Weil Platz 1 einfach alles hat: Mittelalterliche Stadtmauer mit Türmen, Fachwerk, eine echte Burg, ein Steinkammergrab aus der Jungsteinzeit und gleich zwei untergegangene Dörfer mit Ruinen im Wald. Du wanderst in einer Stunde von der Steinzeit ins 19. Jahrhundert. Dazu die Aussicht von der Kölnischen Kanzel und die Stille an der Kreuzkirchen-Ruine. Züschen ist Geschichte zum Anfassen, Wandern und Staunen auf engstem Raum.
Mein Tipp
Ruine der Kreuzkirche am späten Nachmittag, wenn die Sonne durch die Bäume fällt, wirkt sie wie ein vergessenes Märchen. Und wenn du noch Kraft hast: Kölnische Kanzel zum Sonnenuntergang. Der Blick über das Ederbergland ist beeindruckend
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Und das sind die 6 zusätzlichen Challenger: die Top 16
Loshausen
Warum du nach Loshausen musst: Festivals. „Rock im Park“ und „World Music Festival“ ballern hier. Im Sommer Lagerfeuerkonzerte im Schlossgarten und Jugendcamp. Dazu Grenff, Schwalm, Mühlen, Störche überall. Loshausen ist Storchendorf und Kultur-Hotspot. Punkt.
schönberg
Warum du nach Schönberg musst: Die über 1000 Jahre alte Kapelle ist das Wahrzeichen der Schwalm. Mein Lieblings-Fotospot, weil der Blick aufs Dorf einfach ästhetisch ist: Die Kapelle thront auf dem höchsten Punkt über dem Ort, darunter reiht sich Fachwerk an Fachwerk. So muss Dorf aussehen.
großropperhausen
Warum du nach Großropperhausen musst: Fachwerk pur. Verwinkelte Gassen, Burgruine, Schloß mit Akademie. Natur am Knüll. Foto-Tipp: Der tote Baum Richtung Leuderode bei Sonnenuntergang. Krass.
harle
Warum du nach Harle musst: Schönste Dorfkirche im Landkreis, sie prägt das Dorf. Der Ort ist 2000 Jahre alt. Kultort. Die Kirche steht nicht zufällig so: Sie zielt exakt auf den Heiligenberg bei Gensungen. Zur Sommersonnenwende der Beweis: Die Sonne wandert vom Blickpunkt der Kirche auf den Berg hoch. Wie auf einer Rampe. Harle ist ein Kalender aus Stein. Gebaut, als Rom noch Weltmacht war.
neumorschen
Warum du nach Neumorschen musst: Neumorschen war mal der Mühlen-Hotspot an der Fulda. Fünf Mühlen im Ort. Dazu: Fachwerk an Fachwerk. Der Ratskeller an der alten Marktstraße ist besonders schön. Und ein kleiner Bach fließt direkt durchs Kopfsteinpflaster. Idyllisch und charmant!
sachsenhausen
Warum du nach Sachsenhausen musst: Tal-Lage am Kellerwald. Längliche Senke, Herbstnebel wie im Film. Kirche mit Toskana-Vibes. Auf fast 400m: Wind, Weite, erster Schnee. Hier checkst du, wie hoch der Kreis wirklich ist.
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