Hessen ist eines der waldreichsten Bundesländer mit einem Anteil von etwa 42-43%. In Nordhessen liegt der Anteil sogar bei über 50%. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 32%.
Die Wälder Hessens, sind zum Teil noch immer Orte der Mystik und des Unbekannten.
Denn hier, wo die Bäume hoch in den Himmel ragen und die Schatten tief sind, sollen sie leben - die mysteriösen Waldmenschen. Diese Art von Berichten gibt es seit Jahrhunderten und sie sollen auf wahren Begebenheiten beruhen.
Das Buch „Volksglaube und Volksbrauch“ aus 1966 befasst sich ausführlich mit diesen Wesen, aber es gibt auch viele andere historische Quellen, die darüber berichten.
Sichtungsberichte sollen sich bis in die heutige Zeit ziehen.Es geht dabei um merkwürdige Waldmenschen, die seit Jahrhunderten in den hessischen Wäldern hausen, verborgen vor den Augen der Menschen.
Waldmenschen im Spessart
Die Berichte über sie sind zahlreich und geheimnisvoll. Der erste Bericht aus den Forstakten im Juli 1827, stammt von einem Wanderer, der im Spessart unterwegs war.
Er erzählte von einem riesigen, über 2m großen Mann mit langen zerzausten Haaren und Bart, der plötzlich aus dem Dickicht des Blattwerks hervortrat. Seine Augen schienen zu glühen, und seine Haut war dreckig und von der Sonne verbrannt. Er war nur mit einem Lappen um die Hüften bekleidet, und seine Anwesenheit ließ die Luft erzittern.
Der Wanderer wollte fliehen, doch in dem Moment, als er sich herumdrehte, stand dieser wilde Kerl auch schon auf diesem Weg in die entgegengesetzte Richtung.
Diese hühnenhafte Gestalt habe ihm dann unter lautem Knurren einen Schlag verpasst, so dass er ohnmächtig wurde.
Als er erwachte, war sein ganzes Hab und Gut verschwunden. In seinem Bericht betonte er, dass er es wahrscheinlich mit einem Zauberer der dunklen Künste zu tun hatte, da dieser sich offenbar von einem Fleck zum anderen bewegen konnte, ohne dabei gehen oder laufen zu müssen.
Waldmenschen im Knüllwald
Zum Bild: der alte Baum im Hutewald Knüllwald-Rengshausen wurde von mir während der Dämmerung aufwendig ausgeleuchtet, so dass er einmal mehr die Gestalt eines Menschen annimmt. Es wurden drei Bilder übereinander gelegt. Keine KI.
Hutewald Rengshausen
Der Hutewald in Knüllwald-Rengshausen ist ein einzigartiges Naturschutzgebiet. Mit seinen 13,6 Hektar ist es der letzte Rest einer jahrhundertelangen Waldnutzung und ein wichtiger Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
Die alten Buchen, die hier stehen, sind etwa 300 Jahre alt und wurden einst als Weide für Rinder, Ziegen und Schafe genutzt. Im Herbst wurden Schweine in den Wald getrieben, um sich an den Bucheckern zu mästen. Die Bäume wurden auch als Laubquelle für die Viehhaltung genutzt, indem man ihre Blätter als Futter für die Ziegen verwendete.
Durch diese intensive Nutzung haben die Bäume ihre charakteristische Form entwickelt: kurze, beulige Stämme und eine offene, parkähnliche Struktur. Heute ist der Hutewald ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere, wie Waschbären, Eulen, Hohltauben und viele Arten von Insekten und Wildbienen. Das Forstamt Neukirchen versucht, den ursprünglichen Zustand des Waldes durch gezielte Pflege und Nutzung zu erhalten.
Ein weiterer Bericht über die Waldmenschen stammt von einem Waldarbeiter aus dem Jahre 1859 und wurde von der örtlichen Polizei protokolliert.
Der Mann arbeitete im Knüllwald und wollte gerade eine Pause einlegen. Er saß auf einem umgekippten Stamm und packte sein Brot aus, als er bemerkte, dass er offensichtlich nicht alleine war.
Plötzlich wurde er von mehreren schmutzigen, halbnackten Männern mit langen Haaren und Bärten umzingelt. Erst einmal standen sie nur ruhig da, der Arbeiter wagte sich vor Angst kaum mehr zu bewegen. Dann kam einer der Hühnen auf ihn zu, sah ihn einen Moment finster an und nahm ihm dann seine Werkzeuge und seine Axt ab. Anschließend drehte sich das Wesen um und verschwand wieder in der Dunkelheit des dichten Waldes. Seine Gefährten folgten ihm.
Wer sind sie?
Auch in heutiger Zeit gibt es noch Berichte solcher Waldmenschen: 1999 sahen zwei Mountainbiker ein solches Wesen, was den alten Überlieferungen sehr ähnelte. Im Jahre 2006 war es ein Förster, der so eine Gestalt sah.
Aber was sind diese Waldmenschen? Sind sie die Geister der alten Wälder, die noch immer hier hausen? Oder sind sie die Nachfahren von Menschen, die sich vor Jahrhunderten in den Wäldern versteckt haben, um der Welt zu entfliehen?
Auch Deserteure der Armee, die sich versteckten und dann jahrelang wild lebten, kommen in Frage. Wahrscheinlich hausten dort verschiedene Menschengruppen und es ist auch heute nicht ausgeschlossen, dass sich in den Wäldern der ein oder andere Aussteiger versteckt hält.
Die Wahrheit ist, wir wissen es nicht. Aber eines ist sicher: Die Wälder Hessens sind ein Ort der Magie, ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Realität und Mythos verschwimmen. Und wenn du dich in diese Wälder wagst, sei gewarnt: Du könntest den Waldmenschen begegnen.
Sie sind nicht bösartig, aber sie sind wild. Sie leben nach ihren eigenen Regeln, und sie werden nicht zögern, sich zu verteidigen, wenn du in ihre Welt eindringst. Also, wenn du in den Wäldern Hessens unterwegs bist, sei respektvoll. Vielleicht siehst du sie dann - die Waldmenschen, die in den Schatten leben.