Düstere Mauern im Wald: Etwa einen Kilometer nordwestlich von Schönau im Kellerwald befinden sich die Ruinen der Burg Schönstein auf dem 419m hohen Schloßberg. Die um 1100 von den Grafen von Ziegenhain erbaute Burg bestand zuletzt aus einem mehrstöckigen wohnturmartigen Gebäude und besaß nach einer Urkunde von 1399 ehemals einen Bergfried . Sie ist mit einem tiefen Graben vom steilen Waldhang abgetrennt und mit Wallgräben gesichert. Die Grafschaft Ziegenhain, die sich vom Burgwald über das mittlere Schwalmgebiet bis zum Knüllgebirge erstreckte, trennte Niederhessen und Oberhessen fast völlig. Deshalb spielten die Grafen von Ziegenhain in den hessisch-mainzischen Kämpfen eine wichtige Rolle. Seit 1557 verfällt die Burg.

Ruine Schönstein bei Nacht

Zeitsprung bei Burg Schönstein

Die Sage vom Schäfer aus Moischeid erinnert stark an die Sage der weißen Frau aus Christerode.  Ähnliche Sagen gibt es in vielen Orten der Region: Einem Schäfer aus Moischeid, der an einem Sonntag die Schafe in der Nähe der Burg Schönstein hütete, erschien eine weiße Frau, die winkte ihm, ihr zur Burg zu folgen. Unterwegs schenkte sie ihm drei Schlüsselblumen, die der Schäfer an seinen Hut steckte. In der Burg kamen sie vor eine Tür; als der Schäfer darauf zutrat, öffnete sie sich von selbst, und sie traten in ein Gewölbe, in dem alle Reichtümer des Schlosses aufgehäuft lagen. Die weiße Frau gab dem Schäfer zu verstehen, sich etwas von den Kostbarkeiten auszusuchen. Als er das Gewölbe mit seinen Taschen voller Gold wieder verlassen wollte, rief ihm die weiße Frau zu: „Vergiss das Beste nicht!" Er verstand aber nicht, was sie damit meinte, und ging hinaus. Kaum war er ins Freie getreten, schlug auch schon die Tür mit lautem Krachen hinter ihm zu. Als der Schäfer zufällig an seinen Hut fasste, merkte er, dass er die Schlüsselblume in dem Gewölbe verloren hatte. Er eilte zurück, um sie zu holen, konnte aber nichts mehr von der Tür entdecken. Auch die weiße Frau war verschwunden. Aber er hatte ja seine Kostbarkeiten in der Tasche und lief nun voller Freude damit nach Hause.
Dort fand er aber alles so verändert vor, dass er sich kaum noch auskannte. Die Leute waren ihm fremd und keiner kannte ihn, denn er hatte hundert Jahre in dem Gewölbe verbracht. Die Leute lachten ihn aus, als er immer wieder nach seiner Herde fragte. Endlich erinnerten sich die älteren Bewohner von Moischeid, von ihren Eltern gehört zu haben, dass einmal ein Schäfer mit seiner Herde bei der Burg Schönstein spurlos verschwunden sei.

Verschwunden in Schrecksbach

Eine ähnliche Geschichte gibt es auch aus Schrecksbach: ein Jäger und sein Freund gingen auf dem Metzeberg jagen. Sie trennten sich und machten einen Treffpunkt aus. Als der Freund nicht auftauchte ging ihm der Jäger am nächsten Tag suchen und fand ihn schließlich um sieben Jahre gealtert. Wo er gewesen sei dürfe er nicht verraten. Waren der Schäfer und der Jäger in der sogenannten Anderswelt, dem Jenseitsparadies der weißen Frau, wo es weder Raum noch Zeit gibt? Was klingt wie ein Märchen ist ein ganz aktuelles Thema. Das sogenannte „Missing 411" Phänomen.

Altes Schloss in Schrecksbach

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