Was sind Wichtel?
Wichtelfigur am Hegelsteich auf dem Wichtelweg Obergrenzebach
Als Wichtel werden in Märchen, Sagen und Erzählungen Wesen bezeichnet, die von der Gestalt und Art her menschenähnlich sind, aber
deutlich kleiner und in eigenen Gemeinschaften lebend. Sie tauchen meist in Gruppen auf, leben unterirdisch, in Höhlen oder in versteckten Ecken in den Häusern der Menschen. Im Allgemeinen sind sie den Menschen gegenüber freundlich und helfen ihnen. Bisweilen bitten sie ihrerseits die Menschen um Hilfe, manchmal tauschen sie ein menschliches Kind gegen ein eigenes aus. Teilweise kommen sie nicht wieder, wenn sie von den Menschen entdeckt wurden. Sie werden durch die Zerdehnung der Zeit der Anderswelt zugeordnet: Ein Tag in der Sphäre der Wichtel entspricht einem wesentlich längeren Zeitraum in der menschlichen Welt. Einige Orte weisen konkret auf geologische Gegebenheiten hin, zu denen es Geschichten über Wichtel gibt und die als Eingänge zu Höhlen und Gängen der Wichtel auch zur touristischen Tradition der Orte wurden. Aus kirchlicher Sicht wurden die Wichtel dem Aberglauben zugeordnet.
Das wichtelloch obergrenzebach
Es gibt viele alte Geschichten über Wichtel in der Schwalmgegend, insbesondere über die Region um Frielendorf ist viel dokumentiert. Wer waren diese Kreaturen und verfügten sie über immense Schätze?
Oberhalb von Obergrenzebach öffnet am Ruchrain das Wichtelloch seinen Eingang. In dieser ausgedehnten, für die Gegend ungewöhnlich großen Steinhöhle, haben in uralten Zeiten Wichtelmännchen gewohnt. Sie kamen oft nach Ziegenhain in die Stadt und holten sich im Bäckerladen Brot und Kuchen. Den Schnittern auf dem Felde stahlen sie aus den Körben das "Hasenbrot". Hin und wieder raubten sie auch kleine Mädchen, um ihre eigene Art zu verbessern. Einmal wurde am Eingang der Höhle Heu gemacht und eine Frau hatte unterdessen ihr Kind in einem Korb am Rande der Wiese zurückgelassen. Als sie mit der Arbeit fertig war und es mit nach Hause nehmen wollte, lag an seiner Stelle das Kind eines Wichtelmännchens in dem Korb. Obwohl die Frau es als Kind annahm, behielt sie es doch nicht lange, denn eines Tages war es wieder verschwunden. Als von der Kirche in Obergrenzebach zum ersten Mal die Glocken läuteten, sind die Wichtelmännchen auf allezeit verschwunden.
Auch in Wabern-Uttershausen gibt es an der Schwalm die sogenannten "Wichtellöcher"
Der Schatz der wichtel
Vom Wichtelloch Obergrenzebach führte der Sage nach ein unterirdischer Gang bis in die Klosteranlage Spieskappel. Er soll auch den Spießturm verbunden haben. Es gab wahrscheinlich einen Wehrgang, worauf ausgesparte Löcher für die notwendige Balkenlage hindeuten. Von dem geheimen Gang findet man in neueren Quellen keine offiziellen Angaben. Es gibt aber Informationen zu einem Schatz, der in dem Geheimgang versteckt wurde.
Hierzu schreibt Karl Schmidt in seinem Buch "Das Dorf Spieskappel":
„Der letzte Abt des Klosters Johannes soll um 1582 der Sage nach zwölf silberne Apostel aus der Klosterkirche genommen und in unterirdischen Gängen vergraben haben, die zum Spieß und dem Wichtelloch bei Obergrenzebach führten."
Im Schwälmer Sagenborn schreibt Erika Eckhardt:
„Demnach lies zwar Johannes Werner die zwölf silbernen Apostel und weiteres Silber- und Goldgerät in einen unterirdischen Gang bringen, dieser verlaufe jedoch vom Kloster zum ehemaligen Weinberg, dem Südosthang des Todenhausener Sendbergs. Dort befinde sich eine trichterförmige Vertiefung, die als Wichtelkaute bezeichnet werde. Dabei handele es sich um die Ausmündung des unterirdischen Ganges"
Spießturm, das Wahrzeichen der Gemeinde Frielendorf, unter dem Polarlicht vom 11.Mai 2024
In Spieskappel selbst waren die Wichtel jedenfalls auch zu Gange: Sie stahlen den Menschen auf den Feldern und in den Gärten Obst und Früchte. Dabei stellten sie sich manchmal in eine lange Reihe: Der
Vorderste rafite geschwind zusammen, was er kriegen konnte und warf es dem Nächsten zu, der dem Dritten usw. bis es der Letzte schließlich ins Loch trug. Einmal lauerten die Leute den kleinen Dieben auf und schnitten ihnen den Rückweg ab. Da wehrten sich die Wichtel, kratzten mit ihren langen Nägeln und spieen den Leuten ins Gesicht. Nie gelang es einen Wichtel zu fangen. Sonst aber haben sie nie einem Menschen etwas getan.
Kloster Spieskappel mit Wichtel
Weitere lokalen Sagen: